Tradition - Ränke und Schwänke,

... Sprüche und Flüche nach Altvätersitte

Nicht nur in ihren Richtsprüchen und in ihren Liedern sondern auch dann, wenn sie einfach nur ihren Unmut kundtun wollen, erfährt man in ihrem Ausdruck einen Hauch von Poesie.

Dies Irea

Merkt auf ihr Leut´ und horcht den Schnack

Den ich euch heut zu geben hab´

Dies ist nicht für bestimmte Ohren,
Ich hab´ mich Niemanden verschworen.
Lang liegt´s mir auf der Seele,
Doch entrinnt es nicht der Kehle.
Einzig nur dieser Schrieb,
Beschreibt wie mir das Leben spielt.

Wie schon mein alter Meister sprach,
(In Holz geschnitzt ziert´s sein Gemach,)
Wie aus dem Quell es ihm entrann:
„Meister ist, wer was ersann;
Geselle ist, wer was kann;
Und Lehrling ist ein jedermann.“

So machte ich mich auf den Weg
Zu lernen, was zu lernen geht.
Im Land wo einst die Römer standen,
Vor der Niedersachsen – Banden
Tief im norden Hessens Schoß,
Wo sich die Fulda durch ergoß.

Das Volk zwar stur, doch auch gewöhnt,
Das man als Fremder in die Fremde geht.
Und Fremde von allen Teilen Deutschlands her,
Kamen ohne auch nur die Gewähr,
Das sie den Titel dann bekleiden,
Oder ewig ein Geselle bleiben.

Neunundfünfzig Kameraden,
Mit mir es fünf Dutzend waren.
Zweitausenddreihundert Stunden,
Wurden wir gar hart geschunden.
Und stellten uns dem Tribunat,
Von Meistern der besonderen Art.

Zwölf mal ging der Mond ins Land,
War glücklich, oft auch wutentbrannt.
Denn zu allem Überfluß,
War so mit vielen Dingen schluß,
Die mir lieb und teuer waren.
Gott sei Dank auch viel Gefahren.

Glücklich wer hat Freunde samt
Soviel wie Finger an ´ner Hand
Doch Freundschaft die der Wein gemacht,
Hält wie der Wein nur eine Nacht.
Nur wer dir im Sturme treut,
Nenne herzlich einen Freund.

Einzig ein ding auf dieser Welt,
Sich stur allem in die Wege stellt.
Die Erscheinung wie ein Eichenstamm,
Schultern breit wie Männer lang,
Doch schaut unter diesem harten Kleid,
Hängt nur ein weicher Fichtenscheit

Die tiefste See kann´s nicht verschlingen,
Der höchste berg es nicht bezwingen.
Das schärfste Schwert kann es nicht schneiden,
Die größte Axt vermag ´s nicht scheiden,
Nur ein Weib es fix zerbrechen kann,
Das brave Herz des Zimmermann.

So trennt sich wohl die Spreu vom Weizen.
So lernt man gönnen und auch geizen.
Denn wer in der Fremde war allein,
Weiß was es heißt allein zu sein.
Wer dennoch nicht verschütt gegangen,
Weiß wohl etwas anzufangen.

Ein Zimmer, dies vorweggenommen,
Hat mal als Kammer schlicht begonnen.
Den Zimmer heißt „das Holz behauen“,
So nannten´s die Germanen Bauern.
Aus Kammer wurde Zimmer dann,
Nur zur Ehr des Zimmermann.

Oft saß in meiner Kammer ich,
Was zu tun, besann ich mich.
Denn zu meiner größten Schmach,
bekam ich Schänd gar Tag für Tag.
Denn hab krumm gebuckelt ich mich lang,
Verrat und Zweifel war mein Dank!

Die eben mir am nächsten standen,
Die vermeidlich Blutsverwandten,
Waren die größten Zweifler mein.
Sagten: „Du wirst niemals Meister sein.“
Euch werd ich noch zeigen was es heißt,
kommt man dem Meister eines Handwerks gleich.

Denn ohne Hochmut sei ertönt,
Was meinen Zweiflern nicht vergönnt.
Zwei Meisterstücke mußt´ ich bauen,
Hab das Holz gar recht behauen.
So trat ich vor das Tribunat
Hundert Prozent, Holz her, Vivat.

An dieser Stell sei auch gedacht,
Der die es leider nicht erbracht.
Sograd´ zwei Drittel schafften nur,
Den Spießruten Paarcour.
Es bleibt mir nur noch zu sagen,
Hoch die gefall´nen Kameraden.

So ward ich also losgesprochen,
Vom Gesellenstand und seinen Jochen.
Und nahm den Stenz und meinen Hut,
(Laut alten Liedern steht dies gut.)
Macht mich auf, an die Kremp die Hand,
Auf den Pfad gen „Heimatland“.

Nicht allein, würd´s zwar nicht scheuen,
Doch war ich umgeben von Getreuen.
Drei Stück an meiner Seite waren.
Drei der besten Kameraden
Nach Altvätersitte ging´s nun auf
Das Heimgeleit nach altem Brauch.

Zuerst waren wir im Habichtswald
Der schönste Fleck im Kasselerland
Als wir in Korbach dann bekannt
Stand uns der Sinn gen Sauerland.
Nachdem wir Willingen fix eingenommen,
Standen wir vor wintergerger Toren.

Als unsere Fahne wehte vom Kahlen Asten,
Haben die Route wir verlassen.
Nach Netphen, Siegen zog es uns,
Um darzubieten unsere Kunst.
Über Olpe, Köln und nach Düren,
Sollt unser Weg gen Eifel führen.

Am zwölften Tag nach Zwölf Monden,
Bin ich in Heinsberg eingezogen.
Denn mit jeder weiteren Stund,
Verliert man mehr den trift´gen Grund.
Den Bannkreis jetzt schon zu durchbrechen
Und in der „Heimat“ vorzusprechen.

Denn was als Funke hat begonnen,
Hat Form von Feuer angenommen.
Mehr und mehr schwelt in der Brust,
Tatendrang und Wanderlust.
Nun versteh´ ich gut, was Jener sagt,
Der vom Schmerz des Fernweh klagt.

Heimat ist wo´s Herzen wohnt.
Nur dort wird man verschont.
Wo dieser Ort zu finden ist,
Weiß Garniemand ganz gewiß.
Gewiß ist nur aus meiner Sicht,
Jedes Geheimnis kommt ans Licht.

Wie und was auch je geschieht.
Jeden Mensch man zweimal sieht,
Hat er sich beim ersten mal zu freuen.
Hast du beim zweiten nichts zu reuen.
Doch hast beim ersten mal geschunden
Leckst du beim zweiten deine Wunden

Seit vielen Jahren sehn ich mich schon,
Zu schaffen für mein eigen Lohn.
Nur für mich und meiner lieben Meute,
Nie mehr für Taschen anderer Leute,
Und nun ist es schwarz auf weiß
Brief und Siegel als Beweiß.

Der nächste Schritt, ´ne Frag´ der Zeit,
Ihn zu gehen bin ich bereit.
Selbst beim aller schärfsten Verstand.
Gehen Mensch und Fehler Hand in Hand,
Doch wer einmal ´nen Fehler hat begangen,
Wird nie mehr von ihm befangen.

So schließ ich nun den Versuch,
Der Worte waren wohl genug.
Selbstherrlich vielleicht, doch vom Herzen,
Ist was bereitet lang schon schmerzen
Eins vielleicht noch zu sagen wär,
Zu glauben fällt´s wohl keinem schwer.

Wo Ehrlichkeit gar ewig währt,
Wo man wahre Kunst erfährt,
Wo Können ist und Hochmut fehlt,
Mehr Redlichkeit statt Reichtum zählt,
Zu finden in Stadt, Wald und Flur,
Ist einzig deutsches Handwerk nur.
Vivat, das ehrbare Handwerk!

Zimmermeister Bernd Küppers, Geilenkirchen den 20.02.2004